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+ Fit in den Tag! Morgenroutine und Vitalkost

Interview mit Mark Weiland

Der Begriff Morgenroutine war mir bis jetzt nicht so geläufig. Geht es im Grunde dabei darum, sich den bestmöglichen Start in den Tag zu organisieren?

Ja, es geht um unsere Rituale und unseren Rhythmus. Es ist beispielsweise für manche schwierig, die eigene Prokrastination zu überwinden. Diese Aufschieberitis! Ich habe bestimmte Aufgaben, die zu erledigen sind, aber wie schaffe ich diese Aufgaben? Wenn ich sie nicht in kleine Häppchen aufteile, erscheint es mir so, als ob ich sie nicht schaffe. Ich denke dann, ich bin zu dumm dazu. Dann macht man irgendetwas anderes, man sortiert seine Plattensammlung oder macht mal die Küche sauber, was man sonst nicht tut. Man erledigt lieber das, als die anstehende Arbeit zu bewältigen. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, wie man dem begegnen kann. Es ist z.B. besser, wenn man sich am Vorabend einen Plan für den nächsten Tag erstellt. Zunächst schreibt man alle Dinge, privat und beruflich, die zu tun sind, auf ein Blatt, eine To-do-Liste. Anschließend schreibt man dahinter auf, wie lange diese oder jene Aufgabe dauern würde, wenn man konzentriert arbeitet. Dann verwandelt man jede einzelne Aufgabe in einen Termin, den man in seinen Papier- oder elektronischen Kalender einträgt. Das heißt also z.B., Aufgabe A dauert 20 Stunden. Also muss ich sie aufteilen, vielleicht auf viermal fünf Stunden oder auf die ganze nächste Woche verteilt oder über zwei Monate nach Prioritäten sortiert. Jeden Abend justiere ich das, also schaue, welche Aufgaben ich am nächsten Tag erledige und welche die genauen Termine sind. Ich kann nämlich mein Unterbewusstsein schon über Nacht darauf einstellen, womit es am nächsten Morgen gleich losgeht und welche Termine einzuhalten sind. Und das ist erst mal so die Grundstruktur, das Grundverhalten, das man sich angewöhnen sollte. Ganz, ganz einfach. Erst mal sollte man seinen Kopf freimachen von diesen ganzen unerledigten Aufgaben und was man gerne machen möchte oder was man machen muss. Es wird alles in Häppchen aufgeteilt und das ist ja irgendwie machbar. Das erscheint zunächst viel, aber wenn ich es auf ein paar Wochen verteilen kann, ist das ja machbar. Das hilft schon mal ungemein, den Kopf freizubekommen und abends den nächsten Unterpunkt zu programmieren. Dann weiß ich, was mich am nächsten Tag erwartet und es kommt nicht so überraschend, oder? Ich fange z.B. morgens um 8.00 Uhr an, meine Korrespondenz durchzuarbeiten und die 23.000 Briefe zu öffnen und alle abzuarbeiten.

Es gibt noch eine Herangehensweise, die ich auch sehr interessant finde. Das ist die „3-2-1-Methode“. Da geht es um Folgendes: Stelle dir vor, du willst ins Fitnessstudio, zum Schwimmen gehen oder regelmäßig Fahrrad fahren und du hast Vorsätze fürs neue Jahr. Und dann? Jedes Mal wieder ein Tag vorbei. So geht es dann von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Mach dir mal Gedanken darüber, was eigentlich notwendig ist, um in ein Fitnessstudio zu gehen. Was brauche ich dafür? Ich brauche dafür eigentlich nur meine Sporttasche zu nehmen und loszugehen. Alles andere danach ist ein Automatismus. Niemand, der mit seiner Tasche ins Fitnessstudio geht (und natürlich auch mit dem Willen, Sport zu treiben, ohne diesen würde man nicht losgehen), geht wieder zurück, wenn er in der Umkleidekabine im Fitnessstudio ist. Du fängst an, ein Sportprogramm bis zum Ende durchzuziehen, und dass du unterbrichst, wenn du erst im Studio bist, das passiert zu 99 Prozent nie. Aber du musst deine Tasche nehmen und hinausgehen. Deswegen packt man seine Tasche mit der Wasserflasche, mit einem T-Shirt, einem Handtuch und Shampoo am besten schon am Abend. Und wenn man dann am Morgen aufwacht und losgehen möchte, kommt die Erinnerung. Dann sollte man nicht lange nachdenken, sondern runterzählen, drei – zwei – eins – los! Dann greift man nach der Tasche und geht los. Und diese Methode ist so genial, dass ich sie auch anwende, wenn ich im Büro bin. Ich habe unter meiner Kamera, die immer hier steht, einen kleinen Zettel, auf dem 3-2-1 draufsteht.

Wenn ich eine Aufgabe erledigen muss, zu der ich keine Lust habe, dann werde ich so immer an die 3-2-1-Methode erinnert. Okay, ich muss jetzt das Finanzamt anrufen oder zum Beispiel meine Buchhalterin, mit der ich mich eigentlich gut verstehe. Aber manchmal gibt es Dinge, die ich mit ihr besprechen muss, die vielleicht nicht so angenehm sind. Ich muss mich um irgendwelche Geschichten kümmern, die unangenehm sind. Oder ich muss mal wieder Amazon anrufen, wenn etwas in meinem Shop nicht funktioniert, was auch immer, obwohl es mich total nervt. Aber bevor ich es länger vor mir herschiebe: 3-2-1-los, Telefonhörer nehmen oder E-Mail öffnen und schreiben. Das hat einen neurophysiologischen Hintergrund, weil das Gehirn in dieser kurzen Zeit überhaupt keine Chance hat, sich eine Ausrede auszudenken. 

Wenn ich erst beginne, darüber nachzudenken, dass ich eigentlich jetzt Sport machen möchte, dann setze ich mich erst einmal gemütlich hin. Wenn es früh am Morgen ist, lese ich die Zeitung oder WhatsApp-Nachrichten oder den Facebook-Messenger. Und dann kann ich es total vergessen. Die Willenskraft ist morgens am stärksten. Sie nimmt kontinuierlich im Lauf des Tages ab. Deswegen sollte man morgens die wichtigsten und auch die unangenehmsten Aufgaben als erste erledigen, um eine Routine, eine Struktur, einen Rhythmus in den Tag zu bekommen. Und man sollte diese Automatismen nutzen, die sich einstellen, wenn man sich bestimmte Aufgaben vornimmt. So kann man morgens ganz viele wertvolle Dinge erledigen. 

Ich war früher auf der Waldorfschule, da gibt es immer einen sogenannten Hauptunterricht. Der Hauptunterricht findet über mehrere Wochen hinweg in der ersten halben oder Dreiviertelstunde morgens statt. Das ist der sogenannte rhythmische Teil. Da machen die Schüler dann Gedichtrezitationen, lesen Bücher, musizieren oder malen, regelmäßig jeden Morgen dasselbe. Ich habe mir irgendwann auch ein paar YouTube-Videos angesehen. Hey, das ist eine super Sache, um morgens nicht Gefahr zu laufen, sich zu verzetteln und in diesen völlig unwesentlichen Dingen zu verlieren, die Energie und Zeit rauben und die starke Energie, die man morgens hat, einfach zu verschwenden. So kann ich all diese Dinge, die ich schon immer mal machen wollte, in Angriff nehmen, z.B. auch Gesundheitsroutinen so wie Zähneputzen. Ich habe ja einen ganzen Beistellwagen mit Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen, Vitalpilzen und Alternativmedizin … Diese Produkte habe ich mir von jedem Referenten gekauft. Ich möchte diese Mittel alle wie meinen Sport in einer bestimmten Routine nutzen. Also trage ich mir in meinen Kalender ein, wann ich was an welchem Tag nehme oder mache und was ich morgens immer regelmäßig durchführe. Nach dem Aufstehen z.B. bereite ich mir als Erstes heißes Wasser mit Mohn-Zimt-Öl zu und trinke das erst einmal ganz gemütlich. Dann kann ich verschiedene Nahrungsergänzungsmittel zum Entgiften einnehmen, z.B. Zeolith. Ich warte eine halbe Stunde, nehme dann Flohsamenschalen zu mir und später verschiedene weitere Nahrungsergänzungsmittel, die die Entgiftung fördern. Dann springe ich eine halbe Stunde lang auf meinem Trampolin. Dann ist wieder eine halbe Stunde herum, in der der Körper entgiftet wird oder Schlacken gebunden und dann eben auch gut ausgeschieden und nicht wieder resorbiert werden. Wenn ich Zeit habe, kann ich später noch ein paar weitere Mittel einnehmen. Wenn ich beispielsweise jeden zweiten Morgen ins Fitnessstudio gehe, besuche ich danach die Sauna, dusche dann kalt und nehme eine Stunde nach der letzten Übung einen roh-veganen Eiweißtrunk zu mir, der wichtig ist, um Muskeln aufzubauen. Man sollte den Körper, nachdem er beansprucht wurde, nicht mit Kohlenhydraten, sondern mit Eiweiß füttern. Danach kann ich anfangen zu arbeiten. 

An anderen Tagen, wenn ich keinen Sport treibe, habe ich auch schon andere Routinen gehabt. Ich bin dann beispielsweise abends sehr früh schlafen gegangen, schon um 19.00 oder 20.00 Uhr, und frühmorgens um 2.00 Uhr wach geworden. Dann bin ich raus in den Park gegangen, habe Atemübungen oder andere Übungen gemacht, bin auf dem Trampolin gesprungen und so weiter. 

Das kann jeder für sich herausfinden, was er morgens machen will. Man wird dann feststellen, dass diese Routine jedem Tag einen Rhythmus gibt. Man kann aber auch mal einen Tag frei machen, das ist doch kein Problem. Hauptsache, man hat einen Rhythmus. Der kann innerhalb einer Woche variieren oder über Wochen hinweg morgens immer gleich sein. Dasselbe gilt für den Abend. Zum Beispiel ist gesunder Schlaf sehr wichtig. Es ist für den Körper eine Erholung, wenn man ab einer bestimmten Uhrzeit nichts mehr isst, z.B. ab 18.00 oder 20.00 Uhr, denn abends wird man vom Parasympathikus gesteuert und sollte erst dann essen, wenn man nicht mehr im Stress ist. Da gibt es verschiedene Theorien und Ansätze. Ich mache es so, dass ich gerne abends ab 20.00 Uhr etwas anderes arbeite. Ich bin aber auch noch nicht ganz da, wo ich hinmöchte. Ich versuche, alle Bildschirme auszuschalten, Handy, Computer und möglichst auch den Fernseher. Das fällt mir am schwersten, abends den Fernseher und das WLAN auszuschalten, am besten das Handy in den Flugmodus zu versetzen und den Router auszuschalten, am besten sogar noch den Stecker zu ziehen. Und dann vielleicht ein Buch zu lesen, das habe ich auch schon drei Monate hinbekommen, abends immer eine Stunde zu lesen, zu einer bestimmten Zeit ins Bett zu gehen und dann einfach zu schlafen. Morgenroutine ist am einfachsten, weil man morgens die stärkste Willenskraft und Energie hat. Abendroutine kann mitunter schwieriger sein als Morgenroutine.

Läuft das nicht im Grunde auf Selbstoptimierung hinaus? Inwieweit kann dies ein Vorteil für Vitalköstler sein?

Es empfiehlt sich natürlich auch immer, z.B. Fermentsäfte, Sauerkraut oder Kombucha zuzubereiten, Niacin einzunehmen oder eine Detox-Kur zu machen. Oder z.B. morgens im kalten Starnberger See zu baden, auch das habe ich ausprobiert. Und auch wenn ich mich seit Jahrzehnten mit diesen Gesundheitsthemen beschäftige, weiß ich natürlich aus meiner persönlichen Erfahrung, dass, wenn ich all diese Tipps jeden Tag anwenden möchte, mir einfach die Zeit dazu fehlt. Ich habe herausgefunden, wie effektiv es ist, abends früh schlafen zu gehen, am besten noch vor 18.00 Uhr, und mit welcher Energie ich im Extremfall zwischen 2.00 und 3.00 Uhr aufgewacht bin. Was mache ich dann mit dieser ganzen wunderbaren Zeit, die ich durch frühes Schlafengehen gewinne? Das ist natürlich überhaupt nicht sozialkompatibel, das ist mir völlig klar. Aber diese Zeit kann ich nutzen, um all solche Dinge zu tun. Man muss das ja nicht extrem betreiben, aber wenn ich mal um 6.00 Uhr aufstehe, dann habe ich doch die Möglichkeit, meine Sprossen zu spülen oder Fermentationsgetränke anzusetzen. Natürlich muss ich die Zutaten dafür am Vortag einkaufen. Oder ich kann beispielsweise ein gutes Buch von Dr. Switzer lesen. Man könnte auch, wenn man die Möglichkeit dazu hat, in einem Park in der Nähe oder auf einer schönen, saftigen Frühlingswiese Wildkräuter sammeln oder morgens hinausgehen, um eine Stunde lang Atem- oder Augenübungen zu machen. Wenn man morgens direkt nach dem Duschen hinausgeht in die Natur oder Stadtnatur wie hier in Berlin, startet man mit viel mehr Kraft und Energie in den Tag. Allein schon die Ästhetik und die Gerüche und Geräusche, die selbst in einem Park in Berlin herrschen, geben mir mehr Kraft, als wenn ich nach dem Aufstehen erst mal an den Computer gehe oder das Handy einschalte und auf Facebook, WhatsApp und Instagram schaue. 

Meine letzte Frage: Wie wichtig ist das kalte Duschen? 

Das Kaltduschen finde ich sehr wichtig, das mache ich jeden Morgen nach dem warmen Duschen, mittlerweile 60 bis 90 Sekunden eiskalt oder so kalt, wie es geht. Im Winter ist das natürlich klasse, jetzt haben wir Frühling, da ist das Wasser nicht mehr ganz so kalt, leider. Aber kaltes Wasser schenkt unglaublich viel Energie und fördert die Durchblutung und damit wird auch die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung besser. Auch das Immunsystem arbeitet besser, das ist eine ganz entscheidende Sache wie bei allen Warm-Kalt-Anwendungen, z.B. bei Kneipp. Kaltes Wasser ist ja auch Teil der Hydrotherapie und Kneipp wendet es sehr gezielt mit Knie- und Oberarmguss und so weiter an, die immer einen ganz bestimmten Effekt erzielen. Unter anderem wird Adrenalin freigesetzt, erst einmal eine Stressreaktion. Aber indem man regelmäßig diese Stresssituation hervorruft, passiert nämlich das Gegenteil, wir werden viel stressresistenter. Der Körper gewöhnt sich daran, dass er jeden Morgen diese kalten Duschen bekommt, und weiß schon, wie gut das tut. Die freigesetzte Menge an Adrenalin nimmt dann auch stetig ab, denn der Körper lernt mit Stresssituationen generell besser umzugehen, allein durch diese 30, 60 oder 90 Sekunden Kaltduschen jeden Tag. 

Interview: Jo Achner

Mark Weiland betreibt die Plattform Weiland-Wissen.de mit zahlreichen Online-Videos (Streaming), DVDs, Online-Seminaren (Webinare), Interviews und Rezepten zu den Themen Rohkost, Mit Rohkost abnehmen, Alternative Heilmethoden sowie Entgiftung.

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